Mein Vorsatz: Keine Vorsätze! Bin ich jetzt Spielverderber?

 

Ich gehöre NICHT zu den Menschen, die zum Jahreswechsel überlegen, was alles anders werden soll im neuen Jahr. Tatsächlich habe ich noch nicht einmal besonders viel Lust, am 31.Dezember die Nacht zum Tag zu machen und um Mitternacht Alkohol zu trinken, wo ich das im Regelfall das gesamte Jahr über nicht tue. Und auch beim Ballern bin ich der reinste Spielverderber. Ich schaue befremdet, was die Leute so alles für riesige Knallsortimente in ihre Einkaufswagen packen und verstehe nicht, warum sie den Rest des Jahres entschieden billigstes Fleisch kaufen und sich hauen, um bei der Eröffnung einer Primark-Filiale der Erste am Grabbeltisch zu sein, aber zu Silvester nicht zögern, 50-Euroscheine anzuzünden. Quasi.

Eiskristalle auf Blatt

Und ich verrate dir noch was: Ich bin zu Silvester um Zehn ins Bett gegangen. Ich verstehe nicht, wieso über Nacht, weil sich das Datum ändert, plötzlich etwas anders sein soll, als am vorhergehenden Tag. Wenn ich in meinem Leben etwas verändern möchte, habe ich dann nicht an jedem Tag eines Jahres die Möglichkeit dazu?

Nicht, dass ich verurteile, wenn die meisten Menschen am letzten Tag des Jahres fröhlich sind und feiern, dass nun ein neues Jahr beginnt. Auch ich freue mich auf den Neubeginn. Darüber, dass das Licht und die Wärme bald zurückkehren. Dass es uns gut geht, wir ein Dach über dem Kopf haben, genug zu essen und im Großen und Ganzen gesund sind. Nur feiere ich das lieber in mir drin, leise und dankbar. Da kann ich es einfach vielmehr genießen. So ist das eben bei mir.

gefrorenes Blatt

Winterlaub

Eiskristalle

Für mich ist die Zeit nach Weihnachten, der Jahreswechsel und auch der Januar immer eine Zeit des Nach-innen-gehens, des Stillwerdens. Erst jetzt komme ich wirklich zur Ruhe und meistens sagt mir mein Körper dann auch, dass er genau das jetzt braucht: Ruhe. Viel Schlaf, frische Luft, meistens eine XXL-Familienpackung Taschentücher und Hustensaft in der Nähe und viel heißen Tee. So war es auch dieses Jahr wieder. Pünktlich zum Jahreswechsel hatte mich ein Virus im Griff und hat bis jetzt auch noch nicht wieder richtig losgelassen. Vielleicht, weil sich von hinten doch schon wieder die heimtückischen to-do-Listen in meinem Kopf von selbst schreiben wollten und ich – ohne es zu merken – mit laufendem Motor im Feiertagsmodus geparkt hatte. Gutes Essen, ein bisschen faulenzen, Familienzeit – aber der Motor lief trotzdem. Im Leerlauf zwar, aber manchmal reicht es eben nicht, nur einen Gang runter zu schalten. Man muss ABschalten. Zündschlüssel ziehen. Garagentor zu, verriegeln und verrammeln. Und wenn der Kopfkasper endlich Ruhe gibt, habe ich eben keine Lust auf Party zu Silvester und große Neujahrsvorsätze. Auf diese Weise kann ich sehen, was kommt und hänge nicht schon wieder in irgendeinem Hamsterrad drin.

gemütlich im Winter

Die Idee der „kleinen Schritte“ kam mir zum Beispiel während ich auf dem Sofa lag, dem Schnee bei Schneien zuguckte und dachte: sind`s auch nur lauter klitzekleine Schneeflöckchen, so können sie doch in kürzester Zeit die Landschaft komplett verändern, können dafür sorgen, dass ein ganzes Land in Aufruhr gerät, weil ein paar Stunden Schneefall also offensichtlich schon ein Ausnahmezustand in unserer Welt sind… Können aber auch machen, dass sich eine Stille über das Land legt, jedes Geräusch gedämpft wird, alles langsamer geht, wenn man sich drauf einlässt… Hm, und eigentlich sind`s doch nur klitzekleine gefrorene Wassermoleküle. Also können kleine Dinge Großes bewirken. Hab ich dann mal weiter gesponnen, den Gedanken. Also in meinem Fall jetzt: Anstatt Antibiotika und Schmerztabletten, (also die ganz große Keule, damit der Motor möglichst schnell wieder angeschmissen werden kann…) lieber Ingwertee und Hühnersuppe.

leckeres Winterteerezept

Limetten für Ingwertee

In anderen Fällen vielleicht: Anstatt Diät und Jahres-Abo im Fitnessstudio, lieber täglich ein kurzer Spaziergang und mindestens zweimal am Tag Obst und Gemüse in die Mahlzeiten einbauen. Oder: Statt die ganze Wohnung zu entrümpeln und zu putzen (geht bei mir ja Gottseidank gerade nicht: Bin ja krank! – Puh, Glück gehabt!) – lieber jeden Tag eine Ecke, eine Schublade oder ein(en) Schrank(fach) aufräumen. Und bestenfalls ohne vorher einen Plan zu machen, sondern spontan, was uns in den Blick kommt. Gestern war das zum Beispiel der Garderobenschrank im Flur. Ging nicht mehr zu. Ich habe alles rausgenommen, was nicht reingehört, aber schnell aus dem Sinn ist, wenn man es erstmal da deponiert (und dann meist auch später nicht mehr dahin geräumt wird, wo es eigentlich hingehört). Das meiste waren Sommer- und Herbstjacken und Gedöns, das direkt entsorgt gehörte, wie Kühltaschen aus dem Supermarkt, leere Tüten, altes Verpackungsmaterial und Schuhkartons.  Nach zehn Minuten war da aufgeräumt. Kein großes Ding. Und wenn man sich das angewöhnt, so in kleinen Schritten und unspektakulär:  Einfach MACHEN, statt zu DENKEN: Ich MUSS noch …. MACHEN, könnte nach einigen Wochen das ganz Haus tipptopp gedetoxt sein. Klingt das jetzt doch nach einem Neujahrsvorsatz? Mist!

Entspannte Grüße

Bettina

P.S. Und hier gibts noch das ultimative Ingwerteerezept für kalte Tage und zum Anfeuern des Stoffwechsels:

Du brauchst für ca. 1 L       
 ca. daumengroßes Stück Ingwer (also jetzt Mädchendaumen, kein Holzfällerdaumen)
Saft einer 1/2 Limette
2 cm Vanillestange

Wasser aufkochen, Ingwer schälen und in dünne Scheiben schneiden
Vanillestück in 3 kleinere Stücke zerschneiden
ausgepressten Limettensaft in die Thermosflasche oder Teekanne füllen
Ingwer- und Vanillestücke in einen Filterbeutel für losen Tee (gibts im Supermarkt in der Nähe der Kaffeefilter), oben umknicken und einen Zahnstocher zum Verschließen durchstechen

Beutel in die Kanne hängen oder einfach reinlegen, falls die Öffnung der Kanne größer ist als bei meiner , heißes Wasser aufgießen, ziehen lassen , fertig!

Tipp: Mindestens 10 min. für einen relativ milden Geschmack, ich lasse den Beutel immer mindestens eine halbe Stunde drin. Umso schärfer, aber auch umso vanilliger wird der Tee. Probiert es aus. Gesüßt werden muss der Tee meines Erachtens nicht, da die Vanillestange einen leicht süßen Geschmack verleiht. Wer den Geschmack mag, kann auch mit Anisstücken oder Zimtstangen würzen.

Ingwerwasser selbstgemacht

 

 

 

 

 

 

 

 

9 Kommentare

  1. Silke aus DD

    Liebe Bettina,
    auch ich brauche keine große Silvesterparty. Ich habe mit meiner Tochter einen wunderschönen, silbernen „Klitzertisch“ mit ganz vielen Kerzen & Lichtern gezaubert. Zum Abend haben wir gemütlich gekocht, gemeinsam gegessen und viele Gesellschaftsspiele gespielt. Es war das erste Jahr, dass unsere Kids bis Mitternacht durchgehalten haben 😉 und nach dem Feuerwerk sind wir schnell ins Bett gehuscht.
    Mit den guten Vorsätzen, geht es mir wie dir…
    Ich versuche mich das ganze Jahr gut zu ernähren und eine Diät habe ich noch nie gemacht.
    Dir gute Besserung und ganz liebe Grüße von Silke aus DD

    • Genau. Und meistens haben die „guten Vorsätze“ sowieso eine Halbwertszeit wie ein angezündetes Streichholz, stimmts? In diesem Sinne: Hab ein entspanntes Jahr 2017, liebe Silke!

  2. Hallo Bettina, Spielverderber ??! Nö, find ich nicht. In vieler Hinsicht sprichst du mir aus dem Herzen.
    Warum soll ich auf Sylvester warten, wenn ich meine Pläne/Entschlüsse jederzeit in Angriff nehmen kann. Warum muß ich am 31.12. auf Bestellung feiern und mich dabei voll laufen lassen. Du hast das ja alles schon gesagt. Allerdings muß ich zugeben, daß ich mich um Mitternacht doch eine kleine Sekunde lang an dem schönen Feuerwerk der Nachbarn erfreue.
    Leider gibt es auf dem Eck, auf dem ich jetzt wohne nicht wirklich Schnee. Aber ich finde es wunderschön, wenn man morgens aufwacht und die Welt da draussen so leise ist, daß man die Stille förmlich hört, hach. LG Gabriele

    • Bettina

      Kein Schnee,liebe Gabriele? Ich dachte, gerade bekommt wirklich jeder in Deutschland ein paar Flöckchen ab. Da wohnst du vermutlich irgendwo ganz weit im flachen Land, oder? Selbst hier im sächsischen Elbtal liegen gerade mehr als 10 cm und das kommt wirklich nicht sooo oft vor. Hab trotzdem noch einen schönen stillen Sonntag! Ganz liebe Grüße, Bettina

  3. Liebe Bettina,
    ach, das hast Du so wunderbar ausgedrückt. Hundert Prozent mein Gefühl und meine Meinung. Ich bin auch ein Silvester-Muffel und bin nur „anwesend“, um meinem Partner einen Gefallen zu tun. Und ich habe noch nie im Leben einen Pfennig für Knallerkram ausgegeben. Da kauf ich mir lieber gutes Obst dafür. Und ja, man muss nicht auf den letzten Tag des Jahres warten, um einen guten Vorsatz umzusetzen. Das kann man jeden Tag im Jahr, wenn man WILL.
    Und ich liebe Schnee, ganz viel wenn es geht. Er macht die Welt so schön still. Leider liegt bei uns nur ein Hauch, unsere Ecke ist einfach zu mild. Du hast es wie gesagt ganz toll ausgedrückt. Auch die Fotos sind sehr schön.
    Ja, „Zündschlüssel ziehen“, das sollte man tun, sonst klappt das mit dem Abschalten nicht. Zum Glück habe ich als Rentnerin nun keine „Job-Pflicht“ mehr und komme öfters zum hinsetzen, lesen, nachdenken.
    Alles Gute und danke für den schönen Beitrag!
    Bärbel

    • Bettina

      Danke, liebe Bärbel, für deinen Zuspruch. Schön, dass du das Rentnerdasein so bewusst genießen kannst. Aber dem Foto nach zu urteilen, war ich jetzt schon überrascht, dass da eine „Rentnerin“ drauf sein soll? Ist das nicht herrlich, wenn man dann noch fit und gesund ist? Und du bist nun schon die zweite, die ohne Schnee auskommen muss an diesem herrlichen weißen Sonntag. Ich hoffe, ihr bekommt auch noch was ab, diesen Winter. Liebe Grüße in die schneefreie Zone! Bettina

      • Danke, Bettina,
        nun, das Foto ist inzwischen ca. 2 Jahre alt. Und ein paar Wehwehchen sind schon vorhanden (Arthrose, Osteoporose), aber ich will das gar nicht so in den Vordergrund rücken.
        Ja, der Schnee. Ich bin schon ein wenig neidisch, das gebe ich zu. Ich komme gebürtig aus dem Erzgebirge, dort hat es derzeit 70 cm. Aber die Menschen dort sind nicht so ganz glücklich damit, vor allem, wenn sie zur Arbeit unterwegs sein müssen.
        Dir noch einen schönen Sonntag.
        Bärbel

  4. Liebe Bettina,

    Du schreibst mir aus der Seele. Ganz genau so geht es mir auch. Bei uns auf dem Dorf ist es nicht ganz so schlimm, aber ich bekomme ja mit, was sich die Leute so alles an Knallzeugs in den Wagen legen – und wie Du schon sagst, dafür wird dann an falscher Stelle gespart. Keiner denkt mal für 5ct. nach.

    Genauso feiern wir nicht, betrinken uns nicht an Silvester und ich fasse auch keine Vorsätze. Hab noch nie verstanden, warum das ausgerechnet zum Jahreswechsel sein muss. Wenn ich etwas verändern will kann ich das doch jederzeit anfangen.

    Ich entrümpele auch so ähnlich wie Du :-). Wenn mir was auffällt packe ich es an. Irgendwann fällt mir dann die nächste Baustelle auf. So ist in den letzten drei Jahren schubweise eine ganze Menge rausgeflogen, wurde umsortiert und geordnet. Vielleicht ist im Laufe dieses Jahres irgendwann das gröbste geschafft. Aber da alles im Fluss ist werden trotzdem immer wieder Baustellen aufploppen. Ich kenne mich ja….

    Liebe Grüße und gute Besserung !
    Birgit

    • Bettina

      Liebe Birgit, danke für deine lieben Zeilen. Da bin ich jetzt aber sehr froh, dass da zumindest mal ein Mensch ähnliche Ansichten hat. Bisher habe ich auf meine Meinung meist nur die Reaktion bekommen, dass ich der Spielverderber und Miesepeter bin. Aber so meine ich es eben genau NICHT. Danke! Hab einen schönen Sonntag! Bettina

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