In Balance bleiben – Einfach zuhören

„Balancieren bedeutet, sich selbst, einen Gegenstand oder auch andere Personen unter dem Einfluss des Schwerefeldes im mechanischen Gleichgewicht zu halten, wobei das Gleichgewicht (…) durch fortwährende Feinkorrekturen erreicht wird…“  (wikipedia)

Ich finde es oft recht schwierig, die Balance zu halten, ausgeglichen zu bleiben und immer auf den Punkt genau zu wissen, wann es Zeit für besagte Feinkorrekturen ist. Damit ich nicht einfach das Gleichgewicht im Schwerefeld des Alltags verliere, habe ich einen Mitarbeiter eingestellt. Der sagt mir treffsicher, ob ich einfach nur ein Buch und mein Bett brauche oder die Zutaten für einen Kuchen (oder die Nussecken vom Bäcker um die Ecke).  Manchmal zeigt er auch auf die Yogamatte (obwohl,… hat der Bäcker noch auf?). Und hin und wieder knallt er mir die Landkarte auf den Tisch und sagt, ich müsse dringend ein paar Kilometer mehr zwischen die gewohnten Verpflichtungen und mich bringen. Auf Distanz gehen. Mal nur mit mir sein. Gute Idee! Guter Mitarbeiter! Du kennt ihn übrigens, er arbeitet ganz sicher auch für dich. Diskret, unauffällig und zuverlässig. Wie ein britischer Butler im schwarzen Frack. Und so bescheiden! Er verlangt noch nicht mal den Mindestlohn. Das einzige, was du ihm gewähren musst, ist Aufmerksamkeit. Ja, er möchte gehört werden. Nur dann kann er sich wirklich nützlich machen. Darf ich vorstellen: Mr.Innervoice!  Unsere innere Stimme.

BoddenstegMr. Innervoice ist ein sehr effizienter Mitarbeiter. Immer auf unser Wohl bedacht, will er nur das Beste für uns. Dumm nur, dass er oft eine sehr eloquente Kollegin hat. Die haben wir eigentlich gar nicht eingestellt, aber sie ist da. Und plappert ständig dazwischen. Meist wurde sie uns von unseren Mitmenschen – den Eltern, dem Chef oder den Kollegen, den eigenen Kindern oder dem Partner vorbei geschickt – und die haben das auch nur gut gemeint. Diese etwas überspannte Dame taucht in verschiedenen Outfits bei uns auf und übernimmt gern das Ruder. Mal taucht sie als „das schlechte Gewissen“ auf, ein andermal kommt sie als „Mrs. Selbstmitleid“ daher oder sie klingelt uns frühmorgens aus dem Bett und steht im Gewand der „Angst“ oder des „Trotzköpfchens“ vor der Tür. Aber keine Sorge! Du kannst sie entlarven.

Gehe immer dann, wenn sie vor der Tür steht oder auf deiner Couch sitzt, kurz in dich und  frage dich: Wer oder was leitet mich jetzt gerade? Ist es die mahnende, vorwurfsvolle, anklagende, schnippische, schimpfende, angstvolle, drohende, überbesorgte oder beleidigte Stimme meines Vaters, meiner Mutter, des Chefs, der Kollegin, des Partners? Oder kommt das jetzt wirklich aus MIR? Nehme ich MICH und MEINE Bedürfnisse gerade wichtig genug? Oder versuche ich wieder nur die Erwartungen ANDERER zu erfüllen? Es womöglich allen ANDEREN recht zu machen?

Zugegeben, das erfordert ein bisschen Training. Aber wenn du deinem freundlichen Mitarbeiter Mr. Innervoice ein bisschen Raum gibst, sich zu entfalten (was gut in der Stille funktioniert – auf einem Spaziergang in der Natur, daheim auf dem Sofa ohne Smartphone, Tablet und Fernseher oder wo immer du für ein paar Minuten allein sein kannst und dich wohl fühlst) … wenn du ihm also immer wieder Mut machst, sich zu zeigen und der übermotivierten Rivalin mit Gleichmut und Gelassenheit zu begegnen, wirst du selbst auch mutiger und stärker. Manchmal können die beiden sogar Hand in Hand arbeiten. Denn Angst, Sorge oder ein schlechtes Gewissen sind ja nicht per se etwas Schlechtes. Sie bewahren uns auch oft genug davor Fehler zu begehen. Es kommt eben auf die Balance an. Das Gleichgewicht (wieder) zu finden. Mr. Innervoice und Mme. Kostümball unterscheiden zu können und aus dieser Gewissheit heraus handeln zu können – das ist der eigentliche Kniff bei der Sache.

Nebellandschaft

Morgenstimmung am Boddenufer

Sonnenaufgang am Bodstedter Bodden

Ich habe diese Woche auf meine innere Stimme gehört und nach neun Wochen harter Arbeit (ja, das kann ich selbstbewusst behaupten ;-)) habe ich mir und meinem jüngsten Helden ein paar Tage Inselurlaub gegönnt. Ein Mix aus Bummeln, Sturm am Strand und Kaminfeuerstunden. Ein bisschen Radfahren und Sonnenbaden war sogar auch noch drin diese Woche. Und die Tatsache, dass wir innerhalb weniger Tage T-Shirt, FlipFlops und Shorts gegen Fleecejacken, Bommelmützen und Kaminholz eingetauscht haben, zeigt nur eins: Die Feinkorrekturen sind das, was das Leben im Gleichgewicht hält.

Spätsommertag am Bodden

Spätsommertag am Bodden hinter Ahrenshoop

Wolkenberge

 

Windstärke 9 am Weststrand

Windstärke 9 am Weststrand

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Entspannte Grüße

Bettina

P.S. Und wie immer freue ich mich wieder über einen Kommentar, den ihr dalasst! Wie bringt
ihr euch wieder ins Lot, wenn ihr das innere Gleichgewicht aus den Augen verloren habt?

4 Kommentare

  1. Liebe Bettina,
    ich bin spontan eben auf deinen Blog gestoßen und ich kann wieder einmal feststellen, es gibt keine Zufälle. Deine Worte passen so was von gut für mich und werden mich ausgedruckt die nächste Woche begleiten. Ahrenshoop war einige November lang vor vielen Jahren unser Herbstziel,
    immer so um den Reformationstag rum und dann haben wir es eingetauscht gegen Sylt. Es wird Zeit einmal wieder hinzufahren, vielleicht sogar im nächsten Jahr, Februar. Deine Bilder eingepackt in deinen tollen Bericht haben mich überzeugt.
    Ganz lieber Gruß
    Ursula

    • Bettina

      Liebe Ursula,
      ach wie schön, deine Zeilen zu lesen. Darß im Februar – ganz klar Daumen hoch!!! Wir waren letzten Februar in Born und es ist einfach nochmal was ganz anderes im Winter als im Sommer oder auch jetzt im Herbst, als immer noch unglaublich viele Menschen unterwegs waren. Aber das Gute am Darß ist ja, dass man immer auch ruhigere Plätzchen findet. Ich wünsche euch, dass ihr die Idee wahr macht und wünsche euch schon jetzt viel Freude dabei! Sylt kenne ich wiederum noch nicht und es steht auf jeden Fall auch auf unserer Liste der Orte,die noch entdeckt werden wolen. Liebe Grüße, Bettina

  2. Veronika Sprenger

    Liebe Bettina, wenn ich deine Fotos anschaue und deine Zeilen lese, bin ich sofort wieder im Lot.

    • Bettina

      Liebe Veronika, das freut mich. :-))) Ich hoffe, ihr hattet auch eine schöne Zeit auf „eurer“ Insel. Liebe Grüße, Bettina

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